MS Gateway – Der Multiple Sklerose Info-Dienst

Sport und Wellness

Welche Art von Sport kann ich betreiben? Welche Art von Sport könnte meine MS negativ beeinflussen? Dies sind Fragen, die in Gesprächen mit MS–Patienten häufig aufkommen. Weiter unten erhalten Sie nützliche Informationen zu diesem Thema.


Warum Sport treiben?

Die Freude an der Bewegung entwickelt sich aus einem Spieltrieb. Die Teilnahme an einer bestimmten Aktivität und das Erreichen von Zielen, all dies fördert soziale Kontakte.

Sport umfaßt sechs Bereiche menschlicher Erfahrungen: Gesundheit, Spaß, Form, Selbstvertrauen, Abenteuer, Geselligkeit. Das komplexe Zusammenspiel dieser verschiedenen Motive bedingt ein selbsterhaltendes und gesundheitsbewusstes Verhalten. Sport wirkt sich positiv bei dem Überwinden von Krankheiten aus.


Was lernen wir aus Studien?

Früher nahm man an, das Sport aufgrund von Thermosensitivität eine negative Auswirkung auf den Verlauf der MS hat. Ein Ansteigen der Körpertemperatur um 0,5°C kann vorübergehend eine klinische Verschlechterung durch eine Verlangsamung und/oder Blockierung der Nervenimpulsleitung in demylierten Fasern mit sich bringen (das sogenannte Uhthoff–Phänomen).

In verschiedenen Studien1–4 wird jedoch die Meinung, dass Sport einen negativen Einfluß auf den Verlauf der MS hat, nicht zwangsläufig unterstützt. Heutzutage werden die überwiegend positiven Auswirkungen von Bewegung betont. Obwohl Studien neueren Datums bisweilen nur eine geringe Anzahl von Patienten einschließen, hat sich eine messbare Tendenz zu einer Verbesserung der Fitneß sowie des körperlichen und geistigen Wohlbefindens gezeigt. Es können jedoch keine Schlüsse hinsichtlich der Auswirkung von Sport auf die immunologische Aktivität, den Verlauf oder die Symptome der MS selbst gezogen werden.


Was sollten MS–Betroffene vorher wissen?

Die Temperaturregelung von Menschen mit MS ist oft beeinträchtigt. Dies muß bei sportlicher Betätigung beachtet werden. Die Thermosensitivität vieler MS–Patienten (Uhthoff Phänomen) setzt der körperlichen Betätigung Grenzen. Aus diesem Grund sollten Sie sich nach dem Sport im Wasser abkühlen oder eine längere kalte Dusche nehmen. Die besondere Müdigkeit, die mit der MS auftritt, bedeutet, dass jeder, der an dieser Krankheit leidet, herausfinden muß, bis zu welchen Punkt er sportliche Aktivität verträgt. Bei Sehstörungen empfiehlt es sich, Sportarten mit schnellen Bewegungsabläufen, z.B. Ballsportarten, zu meiden.

Heutzutage ist es möglich, auch während eines Rückfalls weiter sportlichen Aktivitäten nachzugehen, wenn Sie sich dabei nicht überanstrengen. Jedoch ist es für Menschen mit MS wichtig, Überbeanspruchung und Verletzungsgefahren zu meiden. Auch sollten sie ihre Aktivitäten nicht unter konventionellen Gesichtspunkten vergleichen was Sportlichkeit, Unsportlichkeit oder die richtige oder falsche Technik angeht. Es gibt keine klare Empfehlung bezüglich Leistungssport. Es hängt alles davon ab, ob eine bedeutende körperliche Behinderung vorliegt. Ausdauersportarten, die nicht jederzeit abgebrochen werden können, sind weniger geeignet. Dazu gehören: Langstrecken–Schwimmen, Bergsteigen im Hochgebirge oder Ski–Wandern im schwierigen Gelände.

Was kann der MS–Patient mit Sport erreichen? So wie bei gesunden Menschen auch kann eine Verbesserung der Herzfunktion und des Kreislaufs sowie eine positive Auswirkung auf das Körpergewicht festgestellt werden. Des weiteren werden durch das Erhalten von Mobilität viele Symptome der MS gebessert.


Ausgewählte Studienergebnisse zu den Auswirkungen von Sport auf MS–Betroffene

Sport für Menschen mit MS zielt auf die Förderung von Koordination und Gleichgewichtssinn ab. In Fällen von gemäßigter bis schwerwiegenderer Behinderung und für Patienten, die unter extremer Thermosensitivität leiden (Uthhoff–Phänomen)kann sich Bewegung im Wasser als besonders nützlich erweisen. Das reduzierte Körpergewicht im Wasser ermöglicht gewisse Bewegungsabläufe, die außerhalb des Wassers nicht möglich wären.

Die Ergebnisse beweisen, dass sich sportliche Betätigung bei Menschen mit und ohne MS ähnlich gut auswirkt.


Zusammenfassung


Empfohlene Sportarten

Therapeutische Wirksamkeit und der Wunsch einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung stehen nicht im Widerspruch, sondern eher in einer positiven Wechselwirkung zueinander.


Literatur

  1. Petajan JH, White AT. Recommendations for physical activity in patients with multiple sclerosis. Sports Medicine 1999;27(3):179–191.
  2. Gehlsen GM, Grigsby SA, Winant DM. Effects of an aquatic fitness program on the muscular strength and endurance of patients with multiple sclerosis. Physical Therapy 1984;64:653–657.
  3. Petajan JH, Gappmaier E et al. Impact of aerobic training on fitness and quality of life in multiple sclerosis. Annals of Neurology 1996;39:432–441.
  4. Mackay–Lyons M, Conway C, Roberts W. Effects of therapeutic riding on patients with multiple sclerosis: a preliminary trial in horseback riding. Physiotherapy–Canada 1988;40(2):104–9.


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