Diät
Für die Gesundheit essen
Viel Forschung wurde und wird betrieben, um mögliche Einflüsse der Ernährung auf die MS und ihr Fortschreiten zu finden.
Bis heute ist es nicht gelungen, einen eindeutige Einfluss einer bestimmten Ernährungsweise und der Schubrate bei schubförmigremittierender MS bzw. der Progressionsgeschwindigkeit bei chronischprogredienter MS zu finden.
Einige klinische Untersuchungen13 haben ergeben, dass zwei Klassen von Nährstoffen4 einen positiven Einfluss nehmen können: essentielle Fettsäuren und Antioxidantien.
Essentielle Fettsäuren
Für MS–Patienten sollen besonders die essentiellen (mehrfach ungesättigten) Fettsäuren von Bedeutung sein. Essentielle Fettsäuren sind Fette, die nicht vom Körper selbst gebildet werden können, sondern mit der Nahrung zugeführt werden müssen.
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind besonders für die Markscheiden der Nervenverbindungen wichtig. Je mehr ungesättigte Fettsäuren in die Mark–(Myelin–)scheiden eingebaut werden, desto stabiler sind sie gegenüber Schädigungen.

Zusammengefasst heißt das, daß MS–Patienten möglichst tierische Fette meiden und statt dessen pflanzliche Fette, die viele ungesättigte Fettsäuren enthalten, zu sich nehmen sollten. Auf dieser Grundlage basieren viele MS–Diäten.
Nahrungsmittel, die essentielle Fettsäuren enthalten, sind zum Beispiel
- Sonnenblumenkernöl
- Färberdistelöl
- Leinsamenöl
- Sojabohnenöl
- Maisöl
- sowie Sesam, Mandeln und so weiter.
Anzumerken ist, daß Kokos–, Oliven– und Palmöl keine ungesättigten Fettsäuren enthalten und somit nicht empfehlenswert sind.
Neue Gesichtspunkte bezüglich unserer Empfehlungen zu essentiellen Fettsäuren sind durch die Studien über Brustkrebs entstanden. Da diese Studien noch nicht ausreichend abgesichert sind, lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine gesicherten Aussagen treffen.
Sollten Sie aber deswegen verunsichert sein, so könnten Sie alternativ auf Fischöl ausweichen.
Bei der Zufuhr an Kohlenhydraten sollte mit Zucker möglichst sparsam umgegangen werden. Vollkornbrot, Haferflocken und Reis sind vorzuziehen.
Gemüse und Obst — möglichst roh, um den Vitamin– und Mineralgehalt hochzuhalten — sind ebenfalls zu empfehlen. Bei Gemüse sollten blähende Sorten (zum Beispiel Bohnen, Kohl, Linsen) vermieden werden.
Zu dunkelgrünem Gemüse wie Spinat, Broccoli, grünem Paprika, Petersilie und so weiter ist zu raten.
Tomaten, Karotten, rote Beete und rote Paprika sind wegen des hohen Vitamingehaltes ebenfalls empfehlenswert.
Die Eiweiße sollten zu 40 % tierischer (wie zum Beispiel mageres Huhn, Truthahn, mageres Kalb–, Rind–, Hammel– und Schweinefleisch, Corned Beef, nicht jedoch: fette Wurst, Speck, Innereien) und zu 60 % pflanzlicher Herkunft sein. Besonders Sojabohnen haben einen hohen Protein(Eiweiß)–Gehalt.
Eier sollten wegen des hohen Cholesteringehaltes in begrenztem Maße verzehrt werden.
Bei Milchprodukten sollte auf Magermilch, Magerjoghurt und Magerkäse ausgewichen werden.
Fisch ist generell sehr empfehlenswert. In den Regionen der Erde, in denen wenig Fleisch und viel Fisch verzehrt wird, erkranken weniger Menschen an MS als anderswo. Essen Sie 2-3-mal pro Woche Fisch. Denn Fisch enthält besonders viel von der entzündungshemmenden Eicosapentaensäure (EPA) und nur geringe Mengen rachidonsäure.Außerdem enthält er viel Vitamin D. Greifen Sie ruhig zu den fetteren Fischsorten (Hering, Lachs, Makrele), denn diese enthalten besonders viel EPA und besonders viel Vitamin D.
Lediglich Thunfisch ist wegen seines im Vergleich zu anderen Fischen extrem hohen Arachidonsäuregehalts nicht zu empfehlen
Fetthaltige Milchprodukte wie Butter, Sahne, Käse mit hohem Fettanteil, ferner Dosenfleisch, Frühstücksfleisch, Würste, Hamburger, industriell hergestellte Kuchen und Kekse sollten möglichst gemieden werden.
Grundsätzlich jedoch ist anzumerken, daß es außer dem Fettaustausch keine festen Ver– oder Gebote bei der Diät gibt und jeder Patient für sich entscheiden sollte, welche Ernährung ihm am angenehmsten ist.
Er sollte sich auf keinen Fall unnötigen und für ihn belastenden Vorschriften unterwerfen.
Antioxidantien
Die chemischen Prozesse, die die zum Leben benötigte Energie freisetzen, sind angewiesen auf den von uns eingeatmeten Sauerstoff. Dabei entstehen als Abfallprodukt große Mengen von stark reaktionsfähigen Sauerstoffverbindungen, freie Radikale genannt. Ihre Produktion wird unter anderem durch intensive Sonnenbestrahlung und Luftverschmutzung ausgelöst. Freie Radikale reagieren auf verschiedene Körpergewebe, einschließlich Myelin und richten dort Schäden an.
Normalerweise enthält unsere Ernährung bestimmte Vitamine und Mineralien, sogenannte Antioxidantien, die diese freien Radikale zerstören: Vitamin E – fettlöslich, enthalten in Margarine, Butter und frischem Obst Vitamin C – wasserlöslich, enthalten in frischem Obst und Gemüse Vitamin A (als Beta–Carotin) – fettlöslich, enthalten in Leber, frischem Obst und Gemüse Selen – essentielles Mineral, enthalten in Getreideprodukten, Fisch, Eiern, Käse und Fleisch.
Ob die Gabe von Kapseln, die Nachtkerzenöl enthalten, wirklich von Nutzen ist, ist zur Zeit noch umstritten.
Restriktive Diäten
Die sogenannte Evers-Diät beruht auf dem Prinzip, nur rohe Grundnahrungsmittel zu verwenden. Getreide wird selbst gekeimt, Milch und Eier werden roh verwendet, ebenso Gemüse und Obst. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind neuerdings auch in dieser Diät enthalten.
Von vielen unterschiedlichen Diäten, die verschiedene Lebensmitteltypen, wie z.B. Gluten, ausschließen, wurde behauptet, dass sie Menschen mit MS helfen. Bei keiner von ihnen konnte jedoch wissenschaftlich ein Nutzen nachgewiesen werden. Vielmehr erleiden die Menschen mit MS einen Nährstoffmangel. Somit ist eine eingeschränkte Ernährung eher schädlich.
Diät bei schubförmiger MS
Bei schubförmiger MS wird als Diät die gleiche gesunde Ernährungsweise vorgeschlagen wie sie für die normale erwachsene Bevölkerung empfohlen wird. Ihr Ziel ist es, das Niveau an essentiellen Fettsäuren, Antioxidantien, Folsäure und Vitamin B 12 zu erhöhen und gleichzeitig eine gesunde Verdauungsfunktion zu bewahren.
Verwenden Sie mehrfach ungesättigte Margarinen und Öle (z.B. Sonnenblumenöl)
Essen Sie regelmäßig fettigen Fisch, ideal wäre 23 mal pro Woche.
Verwenden Sie fettarme Milchprodukte, z.B. entrahmte bzw. teilentrahmte Milch.
Essen Sie Huhn und mageres Fleisch
Essen Sie fünf Portionen Obst und Gemüse täglich, einschließlich einer Portion grünem Blattgemüse
Vermeiden Sie Wurst, Schinkenspeck, Hamburger und andere industriell verarbeitete Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an gesättigten tierischen Fetten
Vermeiden Sie Kuchen, Schokolade und Sahne mit einem hohen Fett und Zuckergehalt
Braten Sie mit wenig Öl oder grillen, backen, dämpfen und dünsten Sie Lebensmittel, aber vermeiden Sie das Fritieren
Wählen Sie Vollkornbrot und Vollkornzerealien
Trinken Sie ca. 1,5 2 l Flüssigkeit täglich
Vermeiden Sie hohe Dosen an zusätzlichen Vitaminpräparaten
Diät bei chronischer MS
Menschen mit einer sekundär progredienten MS müssen ihre Ernährung genau auf ihre individuellen Bedürfnisse abstimmen. Gewichtszunahme kann ein Problem für einige Patienten darstellen aufgrund verminderter Aktivität infolge eingeschränkter Bewegungsfähigkeit, Fatigue, d.h. rasche Erschöpfung und Antriebslosigkeit, und eventuell Depressionen. Starkes Übergewicht kann Probleme der Bewegungsfähigkeit verschlimmern und das Risiko von anderen Krankheiten wie z.B. Diabetes und Herzerkrankungen erhöhen. Eine sorgfältig kontrollierte Diät ist gewöhnlich bei Menschen mit sekundär progredienter MS nicht nötig, mit einfachen Maßnahmen, jedoch, wie dem Verwenden von fettarmen Milchprodukten, kalorienreduzierten Getränken und Fertiggerichten sowie gegebenenfalls einer Reduzierung des Alkoholkonsums läßt sich ein positiver Effekt erzielen.
Im Gegensatz dazu gibt es jedoch auch viele Patienten mit sekundär progredienter MS, die Gewicht verlieren und an Mangelernährung leiden. Dies allein kann schon Muskelschwund verursachen, des weiteren Muskelkrämpfe, Fatique, Einschränkung der geistigen Funktion, Beeinträchtigung des Immunsystems und Anämie. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum es zu Gewichtsabnahme und Mangelernährung kommen kann:
Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit, beeinträchtigte Sehkraft und Erschöpfungszustände führen zu Problemen beim Einkaufen und Kochen
Nachlässigkeit bei der täglichen Verpflegung
Physische Probleme bei der Nahrungsaufnahme, wie z.B. Tremor (Zittern)
Rasche Ermüdung beim Essen, dadurch werden nur geringe Mahlzeiten zu sich genommen
Appetitlosigkeit; oft gibt der Patient vor, mehr zu essen als er tatsächlich tut. Möglicherweise das Ergebnis unzureichender Flüssigkeitsaufnahme
Mentale Schwierigkeiten Patient erkennt den Gewichtsverlust nicht als Problem
Schwierigkeiten beim Schlucken
Bei einigen, wenn nicht bei all diesen Problemen bedarf es professioneller Hilfe. Ein Diätetiker, Physiotherapeut oder Beschäftigungstherapeut kann helfen. Der Diätetiker wird empfehlen:
Kleine häufige Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten
Großzügiger Gebrauch von Sonnenblumenmargarine auf Brot und Kartoffeln
Snacks mit hohem Anteil an pflanzlichen Ölen wie z.B. Kartoffelchips, Nüsse und Erdnußbutter
Verwendung von Vollmilchprodukten
Verwendung von Magermilchpulver, um das Essen anzureichern
Verwendung von Ergänzungsgetränken und MultivitaminPräparaten
Schluckbeschwerden
Dysphagie (Schwierigkeit zu schlucken) wird oft von Sprachproblemen begleitet. Sie macht sich bemerkbar durch Husten und Erstickungsanfälle beim Essen und häufige Brustinfektionen. Der Zustand sollte durch einen Sprachtherapeuten eingeschätzt werden und mit einer speziellen Ernährung aus gehackten, zerdrückten und pürierten Lebensmitteln oder angedickten Flüssigkeiten behandelt werden, abhängig davon, wie ernst dieser Zustand ist. Da eine solche Diät fade und einfallslos ist, kann es zu einer Gewichtsabnahme kommen. In diesem Fall sollte der Patient zusätzlich Milchgetränke und Nahrungsergänzungspräparate zu sich nehmen. In extremen Fällen kann die Ernährung durch eine Nasensonde erforderlich werden.
Literatur
1 Bates D, Cartlidge NEF et al. A double-blind controlled trial of long chain n-3 polyunsaturated fatty acids in the treatment of multiple sclerosis. Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry 1989;52:18-22.
2 Dworkin RH, Bates D et al. Linoleic acid and multiple sclerosis: a reanalysis of three double-blind trials. Neurology 1984;34:1441-1445.
3 Warren G, McKendrick M, Peet M. The role of essential fatty acids in chronic fatigue syndrome. A case-controlled study of red-cell membrane essential fatty acids (EFA) and a placebo-controlled treatment study with high dose of EFA. Acta Neurologica Scandinavica 1999;99(2):112-116.
4 Payne A. Nutrition and diet in the clinical management of multiple sclerosis. Journal of Human Nutrition and Dietetics 2001; 14: 349-357.




